Ich hänge am Leben!

Ich hänge am Leben!

Man glaube es oder nicht: Es gibt mehr Leid und Leiden als das eigene. Doch muss ich gestehen, dass es eine richtig anstrengende Übung ist, von seinem Tellerrand hoch zu schauen und die Anderen wahrzunehmen.

Als Krebskranke ist für mich meine Welt gehörig auf den Kopf gestellt worden. Fast alles, was ich für normal und logisch hielt, schien erstmal nicht mehr gültig. Ja, ich weiß, es gibt nicht die eine Wahrheit und Bewegung bedeutet auch Veränderung und Zugewinn. Doch mit der Diagnose und der damit einhergehenden existenziellen Bedrohung, musste ich einiges neu beleuchten.

In meinem Freundeskreis gibt es natürlich auch Geschichten und Schicksale, die nicht immer etwas mit Krebs zu tun haben. Ich versuche mich einzufühlen und mitzudenken und auch Trost zu bieten. Doch schlussendlich muss ich häufig feststellen, dass es eine Art Gegen-rechen-Automatik gibt.

Ungefähr so: Aha, du hast gerade starke Schlafstörungen und bist sehr mit der Arbeit gestresst. Naja, ich habe morgen meine Nachuntersuchung und große Angst, dass dabei wieder etwas entdeckt wird.

Ich möchte aber nicht, dass meine Erfahrung zu einer Art Zynismus führt, die mich alles andere nicht mehr ernst nehmen lässt und sogar nur noch Lappalie erkennt.

Dabei stellte ich fest, dass es gut tun kann, an einem Leben ohne Krebsthema teilzunehmen. Auch wenn es nur kurz ist und der nächste onkologische Termin ansteht, die Angst mich fast zur Ohnmacht treibt und so weiter. Und ich weiss, dass das nur solange gut geht, solange keine Horrornachrichten von den Ärzten übermittelt werden müssen.

Aber ich will dazugehören und teilnehmen und meinen Lebensraum mit gestalten!

Eure Mascha