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Therapie

#togetherstronger – Interview mit Dr. Luisa Mantovani Löffler, Vorstandsvorsitzende des „Haus Leben“ e.V.

Der Haus Leben e. V. in Leipzig und Delitzsch vereint  eines der größten psychoonkologischen Beratungs-, Informations- und Therapieangebote Mitteldeutschlands. Jährlich betreuen wir 2.000 Krebspatienten und Angehörige in über 12.000 Einzelkontakten. Wir haben Dr. Luisa Mantovani Löffler interviewt, Onkologin, Direktorin Onkologisches Zentrum und Vorstandsvorsitzende der „Haus Leben“ e.V..

Photo by Arvin Chingcuangco on Unsplash

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Wann und warum ist das Haus Leben in Leipzig entstanden?

Das deutsche Gesundheitswesen gehört zu den besten und teuersten der Welt, hat aber gravierende Lücken in der Versorgung und Betreuung von Krebspatienten. Die schulmedizinische Behandlung fokussiert sich auf die klinischen Symptome der Krankheit, doch was ist mit dem „Rest“ des Menschen? Was ist mit den seelischen und körperlichen Folgen einer Krebserkrankung, mit ihren – oft schwerwiegenden – Folgen für die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien?

Was ist mit dem Menschen, der an Krebs erkrankt ist?

Die Tumorpatienten und deren Angehörige erleben eine sehr traumatische Erfahrung mit der Diagnosestellung.  Die Krebsdiagnose wirft den Menschen in vieler Hinsicht aus dessen Lebensbahn: persönlich, familiär, beruflich, physisch, seelisch und geistig.

Die Krankheit bricht gewaltsam ins Leben ein, unterbricht die Alltäglichkeit und verursacht eine tiefe Unsicherheit und Machtlosigkeit vor den Ereignissen.

Es kommt zum Gefühl von Hilflosigkeit und zu einer existentiellen Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses. Das Entscheidende ist der Verlust der Sicherheit und die Unterbrechung des Kontaktes zu anderen.

Haus Leben e.V. ist als Hilfe gedacht für die Menschen, zur Bearbeitung der Erlebnisse ihrer Tumorerkrankung.

Der Verein unterstützt Patienten und ihre Angehörigen (darunter auch Kinder) bei der emotionalen und praktischen Bewältigung der Erkrankung und bei der Aktivierung ihrer Selbstheilungskräfte. Das Haus Leben leistet aber auch umfangreiche Präventionsarbeit – wie Ernährungsberatung und Brustkrebs- sowie Darmkrebsvorsorge.

 

Ihre beste Erfahrung/ Moment in 2018?

Das sind so viele und so unterschiedlich, dass es schwer ist, eine Liste zu machen.

Ich fand die Weihnachtsfeier immer sehr  speziell; es war die Zeit wo wir zusammen mit dem Team und den Patienten das Jahr Revue passieren;  viele Beiträgen waren/kommen  von Patienten oder Angehörigen; eine sehr innige Stimmung und das starke Gefühl, wir stehen nicht alleine mit dieser schwierige Aufgaben und wir wollen weiter machen.

Aber auch die zahlreichen Teambesprechungen,   wo die neuen Projekte entstehen.  Immer spannend, sich daran zu erinnern, wie alles angefangen hat und wo wir angekommen sind.

Die zahlreichen besonderen Geschichten aus dem Friesennest.

Die Patienten, die Danke sagen, für das was wir dort machen.

Die ersten Lesungen mit Mutmacher-Märchen …..

Was steht für Haus Leben Leipzig 2019 an?

Die Fortsetzung und Erweiterung einiger unserer Leuchtturm-Projekte wie Pink Shoe Day, wo wir möglichst viele gesunde Frauen erreichen möchten; unser Literatur Projekt „Das Leben Lesen“.

Vielleicht ein neues Projekt: wir denken über eine Unterstützung der Patienten durch einen sehr speziellen „Personal-Fitness-Trainer“ nach.

Und natürlich Unterstützung durch digitale Tools; wir bauen ein Infoportal auf und wir entwickeln gerade einen digitalen Therapiebegleiter.

 

Als Ärztin und Onkologin, was wären ihre ein bis drei Tipps für Krebspatienten und ehemaligen Krebspatienten wenn sie das Gefühl haben, alles ist dann irgendwie „zu viel“ (zu viele Termine zu koordinieren, zu viele verschiedene Entscheidungen zu treffen,  zu viel  Druck (ich muss mich gesund ernähren, keinen ungesunden Stress haben, Sport machen – sonst werde ich wieder krank!)

 

Ich verwende Metapher, um Lösungsansätze deutlicher, anschaulicher zumachen.

Z.B spreche ich über den Himalaya-Aufstieg und dass die Bergsteiger mehrere Camps zuerst erreichen müssen, bevor sie den Gipfel-Aufstieg planen können. So ist es bei dieser Erkrankung; als erstes Ziel, das erste Camp erreichen und keine Sorge und Angst haben, wenn der Gipfel noch weit weg ist.

 

Und dann selbstverständlich ins Haus Leben gehen, dort schnuppern  um zu erfahren, welche Aktivität am besten hilft, die Ruhe zu bewahren und die Stärke zu finden.

 

Sie haben sich spezialisiert mit einem Master auf Ernährung in der Tumortherapie und Traditionelle Chinesische Medizin – hätten Sie für uns eventuell ein oder zwei Buchempfehlungen oder Artikel zu dem Thema?

Die schönsten Bücher sind in Chinesisch geschrieben. Die Übersetzung durch westliche Dolmetscher gibt oft den Inhalt nicht richtig wider. Meine Bücher sind in schlechtem Englisch von chinesischen Ärzten übersetzt.

Die traditionelle Chinesische Medizin verlangt eine neue Lebenseinstellung; man lernt den eigen Körper, die eigene Seele –  als Haus der Emotionen gemeint – und die unmittelbare Umgebung mit anderen Augen zu betrachten.

Ich empfehle zuerst an einem Qigong oder Tai-Chi Kurs teilzunehmen, um sich dieser Lebensphilosophie anzunähern.

 

Wir bedanken uns sehr bei Dr. Luisa Mantovani Löffler für den Austausch!!

Happy Friday!!

Anne

PS. Beitragsbild von Melissa Askew on Unsplash

 

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