Arbeit

Leben nach Krebs! Zurück ins Arbeitsleben…

Wir stellen Euch Leben nach Krebs! Interessenvertretung & Selbsthilfe für Krebsüberlebende im erwerbsfähigen Alter mit einem ihrer Schwerpunkte vor:

Back to life, back to reality?

„Schön, dass Sie wieder da sind. Dann können Sie gleich wieder loslegen.“ Viele Krebsüberlebende, die vor der Diagnose Mitten im Arbeitsleben standen, kennen das. Beim Wiedereinstieg in den Job erwarten Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen allzu oft, dass alles wieder beim Alten ist. Die Therapie ist ja überstanden, die Gefahr gebannt. Jetzt geht es zurück zum „Business as usual“.

Doch – und für Berlinelles-Leser*innen ist das sicherlich nichts Neues – Betroffene fühlen sich bei der Rückkehr ins „normale“ Leben häufig verunsichert und allein gelassen. Erst jetzt kommt man allmählich dazu, den Schock der Diagnose und die Folgen der Therapie zu verarbeiten. Der Kopf ist voller Fragen: Kann ich mit diesem löchrigen Chemo-Brain in meinen alten Beruf zurück? Schaffe ich mein altes Arbeitspensum noch—und will ich das überhaupt? Was ist mir jetzt wichtig? Soll ich vielleicht doch alles hinschmeißen und einen Neuanfang wagen?

In dieser Phase – die Rückkehr von „Planet Cancer“ – sind Betroffene oft völlig auf sich allein gestellt. Professionelle Beratung? Fehlanzeige. Um diese Lücke zu schließen und junge Krebsüberlebende bei der Rückkehr in die Welt der „Lebenden“ zu unterstützen, haben Sabine Schreiber und Claudia Mohr 2011 die Berliner Selbsthilfegruppe „Leben nach Krebs!“ gegründet. Ihnen ging es darum, einen Raum für Austausch, Wissensvermittlung und gegenseitige Unterstützung zu schaffen. In der Zwischenzeit sind wir zu einem dynamischen Verein gewachsen, einer Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation für Überlebende aller Krebserkrankungen im erwerbsfähigen Alter. Und das ist eine große Zielgruppe. Denn fast ein Drittel der Krebsbetroffenen erhält die Diagnose im erwerbsfähigen Alter.

Claudia und Sabine am Infostand (Foto privat)

Zu unseren Themen gehören die psychischen und körperlichen Nachwirkungen von Krebs und ihrer Therapie – aber auch die sozialrechtlichen. Wir organisieren Expertenvorträge und Diskussionen zu Themen wie Fatigue, Leben mit unerfülltem Kinderwunsch oder Berufsunfähigkeit. In Gesprächen mit der Presse, in den sozialen Medien und auf unserer Webseite informieren wir über die Herausforderungen nach einer Krebserkrankung. Dabei sprechen wir sowohl über medizinische Spätfolgen wie Fatigue und Lymphödem als auch sozialökonomische Auswirkungen wie Armut und Ausgrenzung.

Dank der zunehmenden Offenheit von Betroffenen wie den Berlinelles, die in Blogs, Büchern und Videos über ihre persönlichen Erfahrungen erzählen, kommen wir gemeinsam mit der Enttabuisierung der Krankheit Krebs gut voran. Dabei wollen wir den Blick vor allem auf die Spätfolgen der Krankheit lenken.

Um konkrete Unterstützung beim Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu bieten, haben wir mit der Berufsberatung KOBRA eine jährlich stattfindende Workshopreihe „Zrück ins Arbeitsleben nach Krebs“ (ZinsA) entwickelt. Die achtwöchige Reihe, die wir 2019 zum siebten Mal in Berlin durchführen, behandelt Themen wie berufliche Ziele, Fördermöglichkeiten, Kommunikation mit Chefs und Kolleg*innen und Arbeitsbedingungen. Im Workshop „Wie bewerbe ich mich mit eingeschränkter Belastbarkeit“ zum Beispiel erarbeitet die Gruppe Strategien, um mögliche Fettnäpchen und Fallstricke bei Bewerbungen mit Einschränkungen/Schwerbehinderung zu vermeiden. Für die 2019- Workshops kann man sich jetzt schon anmelden. Eine frühe Anmeldung lohnt sich, letztes Mal waren die Workshops restlos ausgebucht.

Was nehmen die Teilnehmenden mit? Rike P. war 2017 dabei. „Das Allerwichtigste: ich bin mit meinen Problemen und Fragen nicht alleine! Wenn man sich durch diese Erkrankung plötzlich in einer Art ‚Parallel-Universum‘ wiederfindet, ist es unglaublich tröstlich und ermutigend, von Betroffenen zu hören, wie es trotzdem weitergehen kann. Außerdem habe ich in den Kursen viele Teilnehmer*innen getroffen, die ihr Schicksal couragiert und aktiv angegangen sind und sich nicht unterkriegen lassen wollten, allen Hindernissen und Einschränkungen zum Trotz. Ihre Erfahrungswerte waren für mich sehr wichtig und helfen mir immer noch, wenn ich bestimmte Situationen in meinem eigenen Alltag bewältigen muss.“ Ähnliche Erfahrungen mit anderen zu teilen, eine Verbundenheit und Gemeinschaft zu spüren hilft. Das wollen wir mit unserer Selbsthilfe bei Leben nach Krebs! erreichen.

Schaut doch mal bei uns vorbei auf www.leben-nach-krebs.de

Vielen Dank an Susannah für diesen Gastbeitrag!