Sarahs Beitrag - Leben! mit BRCA

Sarahs Beitrag! Meine Gefühle und was kommt danach?

Das Wechselbad der Gefühle nach Ende der Behandlungen…

Sarah!

Irgendwann kommt das Ende der Behandlungen. Und mit diesem herbeigesehnten Abschluss beginnt für mich eine schwierige Zeit. Denn die Diagnose löste eine totalen Erschütterung bei mir aus. Ich war über Monate schockgefroren, handelte automatisiert die Termine ab, versuchte dabei stark und voller Hoffnung zu bleiben – und dann nach Behandlungsende darf die Seele langsam nachziehen und dorthin kommen, wo der Körper längst schon ist. Plötzlich sickert es ins eigene Verständnis

„Ich hatte Krebs. Und ich bin wieder gesund!“

Das muss der Kopf erst mal wirklich verstehen, fühlen – und dann loslassen. In das Museum des eigenen Lebens abstellen, damit dieses Kapitel abgeschlossen werden kann.
Eine mühselige Arbeit, ein hartes Stück Aufarbeitung, mitten hindurch durch Angst, Wut und Trauer. Für manche kommt dieser Punkt augenblicklich, für andere erst Jahre später, mitten aus dem gefühlten Nichts.

Für die Menschen in meinem eigenen Umkreis war es manchmal schwer nachvollziehbar, dass diese Phase unmittelbar nach Ende des langen Weges kam, das ich ein Jahr lang als großes Ziel anvisierte. Sie fragten Dinge wie:

„Aber Du hast doch so viel geschafft, bist Du nicht stolz?“

Doch, natürlich bin ich das. Unbändig. Aber das Feuerwerk der überschäumenden positiven Gefühle blieb aus. Denn plötzlich verstand ich auch, was es bedeutet, im Laufe des eigenen jungen Lebens erkrankt zu sein und die Last eines genetischen Defekts mit sich umherzutragen. Es bedeutet einen langen Weg zurück zu einer gewissen Sorglosigkeit, es bedeutet andauernde Wachsamkeit und Kontrollen in Bezug auf den eigenen Körper, es bedeutet den stetigen Umgang mit der eigenen Angst und mit den Spätfolgen von Chemotherapie, Operation und Bestrahlungen.

Das fühlt sich schwer und zuweilen ungerecht an, aber diese Erfahrungen bergen auch Helles, Gutes & Lehrreiches. Wie immer im Leben. Das Zitat von Thich Nhat Hanh vereint all diese Gedanken in seiner simpelsten und besten Form:

„No mud, no lotus“ 

Sarah

 

 

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