Therapie

Das Leben mit Tamoxifen – Unsere Erfahrungen

Uns ist heiß!!  Und das liegt nicht nur am Sommer…

Etwa zwei Drittel der von Brustkrebs betroffenen Frauen sind hormonrezeptorpositiv. Das bedeutet, dass der Tumor Rezeptoren trägt, die durch Hormone, wie Östrogen, Wachstumssignale aussenden.

Das Medikament Tamoxifen kann diese Kommunikation stoppen und gilt in Deutschland seit den 70er Jahren als Klassiker der Hormontherapie, die korrekt als Antihormontherapie bezeichnet wird. Tamoxifen kann das Tumorwachstum hemmen, weil es als Antiöstrogen wirkt.  Dadurch kann Östrogen nicht mehr ankoppeln und seine Wirkung entfalten.

Nach Chemotherapie, Operation und Bestrahlung können eventuell verbliebene Tumorzellen oder Metastasen am Wachstum gehindert werden, da ihnen die notwendige Östrogenwirkung fehlt.

Weiterführende Informationen könnt ihr hier nachlesen.

So weit, so gut. Ein Wundermittel oder Heilmittel ist Tamoxifen trotzdem nicht. Es gibt verschiedene Studien, die geringen Nutzen, eine mittlerer Wirkung bis hin zur einer Art „Lebensversicherung“ beschreiben.                               An was soll frau da glauben? Wir wissen es nicht! Haben uns nach individuellem Abwägen und Beraten aber alle drei für eine Einnahme entschieden.

Wer Tamoxifen nimmt, kennt sicher die meterlange Liste auf dem Beipackzettel. Wir wollen hier eine Auflistung von, teils schrecklichen, Nebenwirkungen verzichten und euch lieber von unseren ganz individuellen Erfahrungen mit diesem Medikament berichten.

 

Katja

Es ist nicht ganz so schlimm, wie gedacht.  Aber was kommt danach?

Was Antihormontherapie bedeutet, war mir gar nicht bewußt. Ich dachte damals, die Chemotherapie ist das Schlimmste und alles danach ganz easy. Einfach eine Tablette einwerfen, kann ja nicht so schlimm sein. Durch Recherche dämmerte mir aber so langsam mein „Schicksal“. Bei 100% Östrogenrezeptor wurde ich zu 5 Jahren Tamoxifen verdonnert. Nach der Bestrahlung fing ich mit der Einnahme an und hatte eine Riesenangst vor den gruseligen Nebenwirkungen, insbesondere Gewichtszunahme. Zum Glück bin ich davon verschont geblieben. Dafür begleiten nun tägliche Hitzewallungen mein Leben. Ich fühle mich dadurch in meiner Lebensqualität beeinträchtigt, da diese immer zu den ungünstigsten Zeiten auftreten, z.B. bei wichtigen Gesprächen. Im Vergleich zu vorher habe ich auch eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit an mir bemerkt. In meinem Regal stehen viele ungelesene oder angefangene Bücher, die ich derzeit einfach nicht schaffe, zu lesen.

Noch etwas über 2 Jahre, dann habe ich es hinter mir. Komischerweise fühlt sich schon jetzt die Zeit danach sehr verunsichert und angstbesetzt an…

 

Anne         

Müüüühsam – aber, was soll’s?

Ein paar Tage habe ich gebraucht, bevor ich die erste Tablette geschluckt habe, das war fast vor 3 Jahren (schon! Wahnsinn!). Und seitdem, ich schwitze, schwitze und schwitze (schön, nicht wahr? ;-)) !! Ich muss manchmal mehrfach nachts meine Klamotten wechseln, tagsüber könnte ich immer mit offenem Fenster leben (auch im Winter), die Hitzewallungen kommen gefühlt tausend mal hoch innerhalb einer Stunde was meine Konzentration oft schwächt, Gelenkeschmerzen habe ich stark in den Händen und Füßen wenn ich aufwache, ich glaube da hilft mir aber Sport (Yoga + Joggen) sehr, um diese Nebenwirkungen zu vermindern. Was mich aber am meistens nervt ist den „gentle Reminder“, der man kriegt,  wenn man das Ding schluckt, nach dem Motto „ha! vergisst nicht, dass du Krebs hattest Schatzi!“ 😉 Alsoooo nervig – und hoffentlich ist bald mal was anderes auf dem Markt, da ich die Tablette 10 Jahren nehmen soll.

Andersrum vielleicht sollte man aber da nicht das Positive aus den Augen verlieren: wir leben in einem Land mit einem tollen Gesundheitssystem wo wir das Glück haben, einen Zugang zu vielen Mitteln zu haben, die uns das Leben retten können. Also… cheers!

 

Mascha

Tamo…Was?

Ich konnte mir den Namen des Medikaments sehr lange nicht merken. Meine Zunge bekam ihn einfach nicht geformt. Nun bin ich seit 2,5 Jahren auf Tamoxifen und weiß manchmal nicht, wie ich das eventuell noch weitere 7 Jahre schaffen soll. Ich fühle mich völlig fremd in meinem Körper und die Methode „Augen zu und durch“ wird ja bei einer Aussicht von 10 Jahren auch anstrengender. Meiner Meinung nach ist der Körper gefühlt 15 Jahre älter, was natürlich auch an der Gesamtheit der Medikamente liegt. Neben Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Knochen- und Gliederschmerzen, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme …. bleibt die große Hoffnung, dass es DAS Mittel ist und meine Krankheit endgültig besiegt!

Das Leben beginnt halt nicht erst nach der Behandlung, sondern ist auch schon JETZT!