Therapie

Sicherer Hafen? Drei Ansichten

„Ein Port“ – what the hell is that? 😨 Wenn ihr auch eine Chemo hattet – kennt ihr dieses kleinen Teil. Für die anderen, hier erstmal eine kurze Zusammenfassung, um euch abzuholen bevor wir unsere Erfahrungen teilen 😉 👇

Die Verabreichung von Chemotherapeutika  wird wegen der Aggressivität der Medikamente über eine Vene am Handrücken, Arm oder in der Ellenbeuge nicht (mehr) empfohlen. In der Regel wird ein venöser Port implantiert. Eigentlich ein Glück, dass jetzt sowas möglich ist…?

Der Port  ist eine Kammer mit einem Gehäuse aus Kunststoff oder Metall, der unter die Haut eingepflanzt wird. Dieses Gehäuse hat an der Oberseite eine Membran, durch die eine Kanüle eingestochen werden kann. Die Kammer ist mit einem langen dünnen Schlauch verbunden. Das andere Ende des Katheters beim üblichen venösen Portsystem liegt im Herzen, der Katheter zieht also vom Port durch die großen Venen bis zum Herz. Meist ist der Katheter über die Vene unter dem Schlüsselbein oder über die innere Halsvene eingeführt. Die Kammer des Ports liegt meist im Unterhautfettgewebe über dem großen Brustmuskel und kann mit einer Hohlnadel angestochen werden.  Die Kammer des Ports hat eine Funktion als Reservoir, von dem aus allmählich das hineingegebene Mittel über den Katheter in die Nähe des Herzens transportiert wird. Das bringt insbesondere bei Chemotherapie-Mitteln den Vorteil, dass es in den großen Venen und im Herzen relativ stark vom Blut verdünnt wird und an den Gefäßwänden keine Schäden verursacht.

Wir haben alle drei einen Portkatheder gelegt bekommen und möchten unsere unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen mit Euch teilen:

Katja  // Port: Schnell weg damit //

Bis zu meiner Krebsdiagnose wusste ich gar nicht, was ein Port ist und fand das ganze dann irgendwie furchteinflößend. Aufgrund von Komplikationen, wurde dieser bei mir an der Halsvene befestigt. Es sah aus, als hätte ich an einer Seite einen ganz sehnigen Hals. Ich konnte weder dort noch direkt am Port unter dem Schlüsselbein anfassen. Dieser Fremdkörper war mir von Anfang an verhasst. Die Chemo-Schwestern hatten jedes Mal so einige Mühe mit mir, dass Ding anzustechen.

Fast genau ein Jahr später habe ich mir den Port ambulant explantieren lassen. Die OP war nicht schön, aber ich fühlte mich danach erleichtert und befreit. Eine krumme Narbe erinnert mich nun immer an diesen Teil er Erkrankung. Mit entsprechender Pflege und Massage kann diese behandelt werden und wird mit der Zeit immer flacher und unscheinbarer.

Anne // Portfreund //

Das erste Mal, das ich meinen Port berührt habe, ging es mir gleich richtig schlecht. Ich bin ganz blass geworden und ich hätte mich fast übergeben. Also – keinen guten ersten Eindruck habe ich von ihm erstmal bekommen! 😉 Aber ich hatte irgendwie Glück, die Narbe ist dann super gut verheilt. Und beim Anstechen hatte ich auch wenig bis keine Schmerzen. Er war sogar so gut sichtbar, dass auch jemand an meinem Port geschult wurde! Ich habe meinen Port so gut akzeptiert, dass ich mich noch nicht mit dem Explantieren beschäftigt habe bzw. wollte:  um ehrlich zu sein, weil ich gar keine Lust auf dieser OP habe, und als Meisterin des Verdrängens auch das gar nicht mal ansprechen möchte…

Er bleibt erstmal wo er ist, und meinen Kopf wird mir schon ein Zeichen geben, wenn ich bereit bin, den loszulassen.

Mascha // Port-Tricks mit EMLA-Creme //

Die erste Etappe meiner Krebsbehandlung waren zwei OPs gleichzeitig. Links Port legen, rechts Sentinel entfernen. Am nächsten Tag wurde die erste Chemo verabreicht, ich war irgendwie froh, dass es losgeht. So versuchte ich den Port als etwas Gutes zu sehen. Leider bekam ich dann recht bald eine Port-Thrombose, was ein bekanntes Risiko ist. Deswegen musste ich zusätzlich zu den anderen Medikamenten noch ein halbes Jahr Heparin spritzen. Außerdem ist die Narbe alles andere als schön. Fachpersonal meinte bereits des Öfteren, dass die Implantation wohl kein Könner gemacht haben kann. Sehr beruhigend!

Naja, und das regelmäßige Anstechen war für mich eine der Torturen meiner Behandlung. Um mir diese irgendwie erträglicher zu machen, schmierte ich mir ca eine Stunde vorher eine gute Ladung Emla-Creme auf den Port. Das ist ein Lokalanästhetikum und betäubt die Haut. Die Schwestern meinten, dass ich das nicht bräuchte und dass meine Angst zu bewältigen wäre, wenn ich das Anstechen ohne Emla zulassen könnte. Mag sein, aber meine Kraftkapazitäten musste ich mir ziemlich gut einteilen, sodass für den Umgang mit dem Port alles auf Emla deutete.

Inzwischen habe ich mich mit dem Port arrangiert, was bedeutet, dass ich ihn immer noch habe. Leider ist die Angst vor der Entfernung groß. Segen und Fluch.

 

♥ Was ist mit euch? Welche Erfahrungen habt Ihr mit dem Port gemacht? ♥

 

So sieht einen Port aus!

So sieht einen Port aus!