Psychologie

Was ist Psychoonkologie?

Mascha war auf Reha!

Frische Luft, viel Bewegung und gute psycho-onkologische Gespräche mit

Lothar Rosenzweig, Diplom-Psychologe / Psychoonkologe – arbeitet seit acht Jahren an der Klinik Graal-Müritz.

Der Schock der Diagnose 2015 führte bei mir zu großer Verunsicherung und Angst. Und noch mehr Stress, Stress, Stress…. Alles Faktoren, die nicht nur das Leben erschweren, sondern auch den Behandlungsverlauf mitbestimmen.Ich war nicht ganz informiert, was ein Psychoonkolge anders macht als ein anderer Psychologe / Psychotherapeut, aber ich sollte schnell in die Materie eingeführt werden und merken, dass es sehr wohl einen großen Unterschied macht mit Spezialisten zu sprechen, die wissen, welche Panik und VersagensÄngste mit einem Horror-Tänze vollziehen.

Während meiner AHB in der Klinik Graal-Müritz 2016 hatte ich das Vergnügen mit Herrn Rosenzweig sprechen zu können. Ich war die therapeutische Arbeit aus Berlin mit meiner dort niedergelassenen Psychotherapeutin / Psychoonkologin gewöhnt, wollte mir aber die Gelegenheit nicht entgehen lassen in der REHA-Umgebung noch einen weitern Psychologen zu diesem Thema zu sprechen.

Die Chemie zwischen uns stimmte, Herr Rosenzweig konnte sofort meine Problemfelder erkennen und schnell darauf reagieren, sodass ich bei meinem zweiten Besuch vor wenigen Wochen anknüpfen konnte und ich die gleiche sehr gute Erfahrung nochmal machte. DANKE!

Inzwischen war ich eine Berlinelle geworden und wollte Lothar Rosenzweig auch in unserem blog vorstellen.

Et voilá, hier ein Interview:

Was ist Psychoonkologie und wie kann sie helfen?

Ganz einfach gesagt soll die sogenannte „Psychoonkologie“ dem Patienten dabei helfen mit der Diagnose umzugehen und Blockaden zu beseitigen. Blockaden ergeben sich zwangsläufig aufgrund von Ängsten und Unsicherheiten. Die PSO (Psychoonkologie) zielt ab auf die Ressourcen und Potentiale des Patienten. Und immer auch auf eine notwendige Lebenskorrektur im Alltagsleben.

Wie kann das konkret aussehen?

Oft geht es um „Selbstfürsorge“ und „Selbstabgrenzung“. Es geht darum, für das eigene Leben einen guten Weg zu finden und zu gehen. Natürlich sind das auch die Ziele bei einer „Psychotherapie“. Nur hat man es bei der PSO jeweils mit dem Angstthema „Krebs“ zu tun. Das Ziel für die PSO ist daher der gezielte Angstabbau und das Vertrauen in die inneren Heilkräfte. Auch die Sinnfrage erhält eine erhöhte Bedeutung. Entsprechend ist die „Logotherapie“ nach Viktor Frankl (1905–1997, österreichischer Neurologe und Psychiater, Anm. d. Red.) für mich von grosser Bedeutung.

Wie sieht es mit der Anerkennung der Psychoonkologie innerhalb der Onkologie selbst aus?

Zum Glück hat die PSO in den letzten 15 Jahren an offizieller Bedeutung zugenommen. Es gibt jetzt seit ein paar Jahren eine richtige Ausbildung für Ärzte und Psychologen. Ein Wort noch zu den Ärzten: diese werden durch das Medizin-Studium daraufhin festgelegt vor allem auf die sogenannten „Fakten“ zu achten. Doch Heilung hat sehr viel mit unserem Unterbewusstsein zu tun. Und da gelten keine sog. Fakten, sondern „innere Bilder.“ Entsprechend legte der Psychoonkolge Simonton (O. Carl Simonton, 1942-2009, US-amerikanischer Radiologe und Onkologe, Anm. d. Red.) auch so viel Wert auf die Psychotechnik „Visualisierung“.

Aber bringt es denn was, wenn man während einer Reha, die häufig nur drei Wochen dauert, psychoonkologische Gespräche hat?

Patienten kommen zu recht mit einer gewissen Erwartung in eine Reha.Ein Problem in Reha-Kliniken ist der knappe Personalschlüssel von 1,25. Gemeint ist damit: für 100 Pat gibt es nur eine 1,25 Stelle = 40+10 = 50 h. Jeder Fachmann im Bereich Onkologie weiss, dass diese Beschränkung die Effektivität von Psychoonkologie stark einschränkt. Leider ist diese Beschränkung vom Kostenträger (das ist in GM die deutsche Rentenversicherung) so festgelegt. Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus, ist für eine ordentliche, psychoonkologische Betreuung des Patienten mindestens eine 1,5 Besetzung notwendig. Im Grunde kein grosser Kostenaufwand, aber leider wird hier an der falschen Stelle gespart!

Was bedeutet das gegenwärtig für Ihre Arbeit?

Dass ich gelernt habe auch in sehr kurzer Zeit gute Effekte zu erzielen. Dabei verlasse ich mich auf Intuition und natürlich auch auf eine lange Berufserfahrung. Und auf mein Herz. Denn notwendig für einen guten Patientenkontakt ist tatsächlich, dass ich mein Herz öffne. Nur so entsteht Vertrauen und der Patient fühlt sich angenommen und verstanden. Meine Ausbildung in Gesprächs-Psychotherapie nach C. Rogers (Carl Rogers, 1902-1987, US-amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut, Anm. d. Red.) ist dabei auch eine Grundlage.

Ein Tipp zum Schluss?

Für alle onkologisch erkrankten Menschen schliesse ich mit einer Botschaft von Viktor Frankl: „Trotzdem……ja zum Leben sagen.“ Dies stärkt die innere Widerstandskraft. Das Fachwort dafür ist Resilienz. Mit Simonton kann ich sagen: es ist wichtig wieder zu lernen auf die „innere Weisheit“, „die innere Stimme“ zu hören. Für die Zukunft muss die PSO weiter an Bedeutung gewinnen und viel besser in die offizielle Medizin/Onkologie integriert werden.

Ich bedanke mich für das Gespräch!

Mascha

Weitere Literatur:

Lothar Rosenzweig via google: „Psychotherapie bei Krebs“

Dieser Text beginnt mit dem Hinweis, dass bereits das Wort „Krebs“ eine krankmachende Wirkung hat.

 

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