Arbeit

Zurück ins Arbeitsleben – ja! wie? Anne-Sophie von Cancer@Work gibt uns ein paar Tips!

Liebe Leser-innen!!

Die Chemotherapie ist vorbei, die Reha (OMG! – darüber sprechen wir in einem anderen Post und teilen euch bald unsere 3 verschiedene Erfahrungen dazu!) ist vorbei (hurrah!), es ist Zeit mit dem beruflichen Leben wieder anzufangen… haha aber wie? Ich kann mich kaum konzentrieren, ich habe die Hälfte meiner Sprachfähigkeiten verloren, und ich vergesse ständig etwas – wie soll ich mich wieder zu Recht finden? Die Rückkehr ins berufliche ist –find ich persönlich, einen des schwierigsten Schritts im gesamten Prozess. Man will zur „Normalität“ zurück, und man merkt aber, dass das nicht möglich sein wird, teilweise wegen der physischen Einschränkungen, Folgen der verschiedenen Therapien. Ich hätte gedacht, die Krankheit hilft zu relativieren und zu sehen, dass manche Probleme gar keine sind, aber gleichzeitig befürchtet man, dass einige Fähigkeiten nie zurückkommen werden.  Gleichzeitig, man kriegt neue Ideen, man bekommt Lust auf neue Aufgaben, man möchte sich weiterentwickeln. Der Wissendurst ist groß! Jedenfalls sind diese verschieden Gefühle, Impulsen und Zustände nicht einfach zu steuern.

Auf der Suche nach Erfahrung von Mitstreiterinnen bin ich auf der tollen Arbeit des französischen Verein „Cancer@Work“ gestoßen. Ich habe deren Gründerin, Anne-Sophie Tuszynski für Berlinelles.com interviewt.

 

Anne-Sophie Tuszinsky. Founder of Cancer@work and Kepler HR. Cancer survivor.

Ich: Anne-Sophie, möchten Sie uns ein paar Worte zu sich sagen, zu Ihrer Geschichte und wie Ihnen die Idee von Cancer@Work gekommen ist? Die Ziele, die Sie hiermit erreichen möchten?

Anne-Sophie: Ich bin „Cancer Survivor“ und „dank“ dieser Erfahrung, bin ich Unternehmerin geworden. Am 7. März 2011 habe ich erfahren, dass ich an Brustkrebs erkrankt war.  Mein Leben ist gekippt und hat sich in einem Behandlungs- und Pflegeprozess umgewandelt: Mastektomie, Chemotherapie, Bestrahlung. Ich habe sehr viel Zeit im Krankenhaus verbracht und dort auch neue Freundinnen gemacht.  Angesichts meiner beruflichen Kompetenzen, wurde ich nach Ratschläge zu ihren Karrierewegen öfter gefragt.

Als ich da zurück ins Berufsleben war, meine Kunden haben nach Hilfe gefragt: sie waren immer öfter mit Situationen von Krebserkrankungen bei  Mitarbeitern konfrontiert. So ist die Idee gekommen, das Unternehmensklub „Cancer@Work“ zu gründen (Verein nach dem französischen Gesetzt 1901, Wohltätigkeitsorganisation): Ziel war und ist, auf diesem Thema im beruflichen Umfeld aufmerksam zu machen, denn die Erkrankung trifft 30% der Berufstätigen in Frankreich.  Parallel habe ich zwei weitere Projekten entwickelt: das Beratungsangebot für Unternehmen „Wecare@Work“ und praktische Tools wie unsere kostenlose  Hotline und Webseite  („AlloAlex“ 0 800 400 310 et www.alloalex.com) und den Ratsgeber  „Cancer et travail : j’ai (re)trouvé ma place, comment trouver la vôtre? » (Krebs und Arbeit:  ich habe meinen Platz (wieder) gefunden – wie finden Sie Ihren? Verlag Eyrolles). Meine Ziele  sind einfach: der Platz der Kranken in der Gesellschaft zu ändern und Werte für alle schaffen: menschliche, soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche.

Ich : Persönlich finde ich, dass den Wiedereinstieg ins Berufsleben einen der schwierigsten Moment im ganzen Genesungsprozess ist: man will wiederanfangen „wie früher“ aber man merkt dann die physische und psychologische Einschränkungen.  Ich vermute, dass einige unserer Leserinnen das auch so empfinden.

Anne-Sophie: ich denke, dass mit dem Ende der Behandlungen einen neuen Lebensabschnitt anfängt, wo man sich sehr einsam fühlt.

Ich : Welche Ratschläge können Sie unsere Leserinnen geben, um sie zu helfen, ins berufliche Leben zurückzukehren, aber um auch einen guten und konstruktiven Rapport zu ihren beruflichen Aktivitäten während der Erkrankung zu behalten (wenn gewünscht):

Anne-Sophie :

  1. Seien Sie Akteur : Sie bestimmen das Tempo
  2. Antizipieren: planen Sie die Organisation während Ihrer Abwesenheit mit, Pflegen Sie den Kontakt zur Arbeit während Ihrer Abwesenheit, planen Sie Ihre Rückkehr voraus, von Beginn der Erkrankung an.
  3. Kommunizieren : sprechen Sie mit ihrem Arbeitsumfeld ab, um zu schauen, was Sie machen können oder nicht können, damit Sie gemeinsam über mögliche Anpassungen überlegen können

Ich: ich habe viel (vielleicht zu viel? ;-)) mit meinen Kollegen über die Krankheit gesprochen, denn ich wollte nicht, dass sie sich mit dem Thema unwohl fühlen. Dadurch wollte ich auch damit lockerer werden. Sie haben mich viel unterstützt und sind eigentlich sehr interessiert, neugierig und wohlwollend. Allerdings, dies kann auch anders laufen, einige unserer Leserinnen sind mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert. Ist Krebs bei der Arbeit heutzutage immer noch tabu?

Anne-Sophie : in Frankreich, die Hälfte des Berufstätigen halten Krebserkrankungen für einen Tabu im Arbeitsumfeld. Ich habe keine Studie in Deutschland gefunden, vielleicht könnte dies eventuell eine Idee für eine zukünftige Zusammenarbeit sein…? 🙂
Ich : Carte blanche: möchten Sie mit unseren Leserinnen eine Gedanke, ein Wort, ein Leitmotiv teilen, die Ihnen helfen, im Alltag voranzukommen?

Anne-Sophie:

  1. Arbeiten wie mit den Kranken: weil die Work/Life Balance unentbehrlich für eine nachhaltige Gesundheit ist
  2. Krebs – Wertschöpfer: weil diese schmerzhafte Lebenserfahrung neue menschliche, soziale, wirtschaftliche, gesellschaftliche  Werte entstehen lässt, wovon die gesamte Gesellschaft profitieren kann.

VIELEN DANK und MERCI Anne-Sophie!

Den Ratgeber « Cancer et travail » ist dieses Jahr veröffentlicht worden – empfehle ich herzlich an unsere frankophile Leser-innen!!

Anne